05.11.2026
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Ausblick für Landmaschinen 2026: Markttief nähert sich, doch die Erholung verläuft ungleichmäßig

Die globalen Märkte stehen vor einem Wendepunkt, doch die Erholung verläuft in den verschiedenen Regionen und Maschinensegmenten weiterhin uneinheitlich.
Thomas Fritsch

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Laut AG INSIGHTS könnte der Abschwung auf den internationalen Märkten für Landtechnik seinem Ende entgegengehen. Die jüngsten Zahlen und Prognosen von John Deere, AGCO, CNH und Kubota deuten jedoch darauf hin, dass eine klassische, weltweit synchrone Erholung noch nicht in Sicht ist. Diese Entwicklung ist für die Gießereiindustrie von besonderer Bedeutung, da Traktoren und Erntemaschinen seit Langem zu den wichtigsten Abnehmern für anspruchsvolle Gussteile aus Eisen- und Nichteisenmetallen zählen.

Entwicklungen nach dem Boom

Nach dem außergewöhnlichen Boom, der 2020 einsetzte, hat der globale Landtechniksektor eine deutliche Marktkorrektur durchlaufen. Hohe Lagerbestände bei den Händlern, sinkende Erträge in vielen landwirtschaftlichen Betrieben sowie anhaltend hohe Betriebsmittelkosten haben insbesondere den Markt für Großtraktoren und Erntemaschinen unter Druck gesetzt.

Dennoch mehren sich die Anzeichen dafür, dass der zyklische Tiefpunkt entweder bereits erreicht ist oder kurz bevorsteht. Sowohl AGCO als auch CNH berichten von einer schrittweisen Marktstabilisierung, warnen jedoch davor, die aktuelle Situation als Beginn eines konventionellen Aufschwungs zu interpretieren. CNH sieht sogar das Jahr 2026 als möglichen Tiefpunkt und geht von einer L-förmigen Erholung aus. Diese dürfte zunächst vor allem durch Ersatzinvestitionen getrieben sein – und weniger durch einen breit angelegten Anstieg der Investitionen in der Landwirtschaft.

John Deere hebt wachsende Unterschiede zwischen Marktsegmenten hervor

Global agricultural machinery outlook reaches a turning point, but recovery remains uneven across regions and machinery segments.
Der Landmaschinenmarkt ist 2026 im Wandel

Die auseinanderlaufenden Trends zeigen sich besonders deutlich im Geschäft von John Deere. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 sank der Umsatz im Segment „Production & Precision Agriculture“ (Produktions- und Präzisionslandwirtschaft) um rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dieses Segment umfasst Großtraktoren, Mähdrescher und weitere Maschinen, die im großflächigen Ackerbau eingesetzt werden.

Im Gegensatz dazu stieg der Umsatz im Bereich „Small Agriculture & Turf“ (kleinere landwirtschaftliche Maschinen sowie Rasen- und Grundstückspflegegeräte) um etwa zwölf Prozent. Dieser Geschäftsbereich umfasst weit mehr als nur Geräte für die Rasen- und Freizeitpflege; dazu gehören auch bestimmte mittelgroße Traktoren, Mehrzweck- und Kompakttraktoren sowie Maschinen für die Heu- und Futterernte.

Diese Zahlen deuten auf eine deutliche Verschiebung der Marktdynamik hin. Während der großflächige Ackerbau weiterhin unter erheblichem Druck steht, erweisen sich Märkte, die auf kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe, Viehhaltungsbetriebe sowie Milchproduzenten ausgerichtet sind, als widerstandsfähiger. Günstigere Rahmenbedingungen in der Rindfleisch- und Milchproduktion stützen diesen Trend.

Kubota zeigt, warum die Traktorgröße nicht der einzige entscheidende Faktor ist

Die Einschätzung von Kubota spiegelt diese Unterschiede wider und verdeutlicht zugleich, dass sich der Markt nicht einfach in eine starke Nachfrage nach kleinen Traktoren und eine schwache Nachfrage nach großen Traktoren unterteilen lässt.

In Nordamerika bleibt das Segment der Traktoren von 0 bis 40 PS verhalten; Inflation und schwierige Rahmenbedingungen für Konsumenten treffen insbesondere private Käufer. Auch die Kategorie der Traktoren von 40 bis 100 PS steht unter Druck. Demgegenüber erweist sich die Nachfrage aus der Viehhaltung als vergleichsweise stabil, und ausgewählte mittelgroße Kubota-Traktormodelle schneiden besser ab als der Gesamtmarkt.

Folglich gewinnt die Wirtschaftlichkeit des jeweiligen Einsatzzwecks zunehmend an Bedeutung. Investitionen in der Viehhaltung, Ersatzbeschaffungen sowie Maschinen, die für einen produktiven landwirtschaftlichen Betrieb unerlässlich sind, dürften sich deutlich besser entwickeln als Anschaffungen, die primär durch Konsumausgaben oder die Erweiterung des landwirtschaftlichen Betriebs motiviert sind.

 

Die Lagerbestände der Händler werden die nächste Erholungsphase prägen.

Für Zulieferer – darunter auch Gießereien – ist ein Aspekt von besonderer Bedeutung: Ein Anstieg der Produktion bei Herstellern von Landmaschinen lässt nicht zwangsläufig darauf schließen, dass sich die Nachfrage seitens der Landwirte bereits erholt hat.

Im Laufe der Jahre 2024 und 2025 haben die Erstausrüster (OEMs) ihre Produktion deutlich gedrosselt, um die hohen Lagerbestände im Handel wieder an die Nachfrage anzupassen. Bei John Deere beispielsweise sind die nordamerikanischen Lagerbestände an leistungsstarken Traktoren und Mähdreschern bereits deutlich von ihren früheren Höchstständen zurückgegangen. Auch AGCO und CNH arbeiten weiterhin daran, ihre Vertriebskanäle wieder auf ein normales Niveau zu bringen.

Für Zulieferer ist daher die Abfolge dieser Entwicklungen entscheidend:

Normalisierung der Händlerbestände → Normalisierung der OEM-Produktion → Erholung der tatsächlichen Endmarktnachfrage

Die ersten beiden Phasen könnten in bestimmten Segmenten bereits im Gange sein, während die dritte deutlich unsicherer bleibt.

Für Gießereien liefert diese Unterscheidung einen wichtigen Hinweis darauf, was auf sie zukommen könnte. Aufträge von OEMs und Tier-1-Zulieferern könnten sich stabilisieren oder wieder zunehmen, noch bevor die Verkäufe von Traktoren und Erntemaschinen ein deutliches Wachstum aufweisen.

 

Nordamerika: Annäherung an den Tiefpunkt, doch der Bereich Schwermaschinenbau hat weiterhin zu kämpfen

Nordamerika bleibt einer der schwierigsten Märkte. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete AGCO einen Rückgang der Traktorverkäufe an Endkunden – Kompakttraktoren ausgenommen – um neun Prozent. Besonders betroffen waren dabei leistungsstärkere Modelle. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Rückgang von etwa 15 Prozent auf dem nordamerikanischen Markt für große Landmaschinen.

Auch bei CNH steht die Nachfrage weiterhin unter Druck. Es gibt jedoch einige ermutigende Entwicklungen: Die Lagerbestände an Neu- und Gebrauchtmaschinen nähern sich wieder einem normalen Niveau an, der Maschinenpark altert zunehmend, und die zuvor ungewöhnlich große Preisspanne zwischen Neu- und Gebrauchtmaschinen beginnt sich zu verringern.

Die Rentabilität der landwirtschaftlichen Betriebe bleibt das Haupthindernis. Niedrige Preise für Agrarrohstoffe treffen weiterhin auf hohe Kosten für Kraftstoffe, Düngemittel und Transport. Solange sich dieses Verhältnis nicht verbessert, ist kurzfristig kaum mit einem neuen, kräftigen Investitionszyklus zu rechnen.

Für die Gießereiindustrie sind die Auswirkungen eindeutig. Eine umfassende Erholung der Nachfrage nach schweren Gussteilen, die in großen Traktoren und Erntemaschinen verbaut werden, ist vorerst nicht zu erwarten. Bei Maschinen und Ausrüstungen für die Vieh- und Milchwirtschaft könnten sich hingegen schon früher Chancen ergeben.

 

Brasilien: Nachfrage nach größeren Maschinen bleibt unter Druck

Der brasilianische Markt für Landmaschinen zeigt ebenfalls eine uneinheitliche Entwicklung. Laut AGCO ging der Absatz von Traktoren im ersten Halbjahr 2026 um elf Prozent zurück. Insbesondere bei größeren Traktoren war die Nachfrage schwach, während ein stärkerer Absatz von kleinen und mittelgroßen Maschinen den Rückgang teilweise ausgleichen konnte.

Brasilien bleibt zwar ein bedeutender Markt für Landtechnik, doch befindet sich die Branche 2026 weiterhin in einer Abwärtsphase. Anbieter sollten daher die einzelnen Maschinenkategorien genau im Blick behalten, anstatt sich allein auf die Gesamtmarktentwicklung zu verlassen.

 

Europa: Eine allmähliche Stabilisierung, kein kräftiger Aufschwung

Die Aussichten für Westeuropa deuten auf ein weitgehend stabiles, aber fragiles Marktumfeld hin. Anstatt in einen starken Wachstumszyklus einzutreten, scheint sich die Region eher auf eine Phase der Stabilisierung zuzubewegen.

Für europäische Gießereien könnte die Ersatznachfrage eine besonders wichtige Rolle spielen. Veraltete Maschinenparks müssen irgendwann erneuert werden – selbst dann, wenn die landwirtschaftlichen Betriebe ihre Produktionskapazitäten nicht nennenswert ausweiten. Die wirtschaftliche Erholung in Europa könnte daher stärker von notwendigen Ersatzinvestitionen abhängen als von einer Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion.

 

Indien und Asien bieten ein vielversprechenderes strukturelles Wachstum

Indien und ausgewählte asiatische Märkte bieten ein deutlich positiveres Bild. Während Nordamerika und Europa vor allem auf eine konjunkturelle Stabilisierung warten, profitieren diese Regionen weiterhin von einem strukturellen Wachstum bei den Absatzvolumina von Landmaschinen.

Diese Entwicklung könnte die regionale Verteilung der Aktivitäten innerhalb der globalen Landtechnikbranche weiter verändern. Auf den westlichen Märkten wird die Nachfrage zunehmend durch Ersatzbedarf und eine Normalisierung der Lagerbestände geprägt. Indien und Teile Asiens bieten hingegen günstigere Voraussetzungen für den Absatz weiterer Maschinen.

Für international tätige Gießereien, die Gehäuse sowie Komponenten für Getriebe, Achsen, Motoren, Hydrauliksysteme und Fahrwerke von Landmaschinen liefern, dürfte die regionale Aufstellung daher zunehmend an Bedeutung gewinnen.

 

Auswirkungen auf Gießereien: Ein Markt, mehrere Zyklen

  • Die zentrale Botschaft für Gießereien und andere Zulieferer lautet, dass der Markt für Landmaschinen nicht mehr als einheitlicher, homogener Zyklus betrachtet werden kann. Regionen, Maschinengruppen und Anwendungsbereiche durchlaufen jeweils unterschiedliche Phasen des Abschwungs und der anschließenden Stabilisierung.

Der aktuelle Ausblick lässt sich wie folgt zusammenfassen:

•          Nordamerika: Der zyklische Tiefpunkt könnte näher rücken, doch der Bereich Großmaschinen steht weiterhin unter Druck. Die Viehhaltung sowie bestimmte Kategorien im mittleren Größensegment erweisen sich als widerstandsfähiger.

•          Europa: Eine fragile Stabilisierung eröffnet durch Ersatzinvestitionen potenzielle Chancen.

•          Brasilien: Der Abschwung hält an, insbesondere bei den größeren Maschinensegmenten.

•          Indien und Teile Asiens: Strukturelles Wachstum bietet langfristig attraktivere Aussichten für das Absatzvolumen bei Maschinen.

•          OEM-Produktion: Die Fertigung könnte sich bereits erholen, noch bevor die Nachfrage der Endkunden spürbar zunimmt, da der Prozess des Abbaus von Händlerbeständen seinem Ende entgegengeht.

Die Produktionsdisziplin der großen Erstausrüster (OEMs) wird ebenfalls ein wichtiger Faktor sein. Unternehmen wie John Deere, AGCO, CNH und andere Hersteller scheinen entschlossen, das Produktionsniveau stärker an die Lagerbestände der Händler sowie an die tatsächliche Nachfrage anzupassen.

Sollte dieser Ansatz in der Anfangsphase einer Erholung beibehalten werden, könnte der nächste Zyklus zwar ein weniger spektakuläres Wachstum bei den Absatzzahlen mit sich bringen, dafür aber eine potenziell höhere wirtschaftliche Qualität aufweisen. Für Zulieferer könnte die Rückkehr zu einem höheren Produktionsniveau hingegen langsamer verlaufen und – im Vergleich zu früheren Zyklen – weniger stark zwischen den einzelnen Regionen synchronisiert sein.

 

Die Erholung wird in den verschiedenen Regionen unterschiedlich schnell verlaufen.

Die globale Landtechnikbranche scheint sich allmählich aus einem synchron verlaufenden Abschwung zu lösen, doch eine koordinierte Erholung lässt noch auf sich warten.

Für die Gießereiindustrie ist die Schlussfolgerung daher eindeutig: Auf den einen, alles entscheidenden Wendepunkt zu warten, ist möglicherweise nicht der erfolgversprechendste Ansatz.

Erste Chancen dürften sich dort ergeben, wo mehrere günstige Faktoren zusammenkommen: Die Lagerbestände im Handel haben sich wieder auf ein normales Niveau eingependelt, es besteht Ersatzbedarf, die Kundengruppen bleiben wirtschaftlich stabil, und regionales Wachstum sorgt für zusätzliche Impulse. So könnte sich die Viehwirtschaft vor dem Ackerbau erholen, mittelgroße Maschinen vor hochleistungsfähigen Geräten und Indien vor den etablierten westlichen Märkten. Gleichzeitig könnte die Produktion der Erstausrüster (OEMs) bereits wieder anziehen, noch bevor die Landwirte selbst eine echte Markterholung spüren.

Für Gießereien deutet dies auf einen Erholungsprozess hin, der mit unterschiedlicher Geschwindigkeit verläuft. Unternehmen, die ihre Kunden nicht nur nach OEM und Region, sondern auch nach Maschinentyp, Anwendungsbereich und Endkundenstruktur analysieren, dürften früher erkennen, wo die Nachfrage nach Gussteilen wieder einsetzt.