03.11.2026
Reading Time - 4 min.

Vorantreiben des Recyclings hochwertiger Aluminiumlegierungen

Das EU-geförderte Projekt RecAL des AIT entwickelt innovative Ansätze für das Aluminiumrecycling
Katharina Schmitt

Teaser

Die Herstellung von Aluminium erfordert beträchtliche Ressourcen und Energie, was das Recycling dieses Leichtmetalls besonders wichtig macht. Die Rückgewinnung von Aluminium aus ausgedienten Produkten sowie aus Produktionsabfällen verbraucht lediglich fünf Prozent der Energie, die für die Erzeugung von Primäraluminium benötigt wird.

Das Recycling ist jedoch eine Herausforderung, da Aluminiumlegierungen verschiedene Elemente enthalten, die sich praktisch nicht voneinander trennen lassen. Die gängige Praxis, unterschiedliche Legierungen aus ausgedienten Produkten miteinander zu vermischen, führt zwangsläufig zu einem „Downcycling“ und verringert die Verfügbarkeit hochwertiger Rohstoffe.

Am LKR Leichtmetallkompetenzzentrum, einer Tochtergesellschaft des AIT, verfolgen Forschende im Rahmen des EU-geförderten Projekts RecAL (Recycling technologies for circular ALuminium) einen neuen Ansatz. Gemeinsam mit 19 Partnerorganisationen aus neun europäischen Ländern zielt die Initiative darauf ab, die europäische Aluminiumindustrie durch fortschrittliche Recyclingtechnologien, digitale Vernetzung und innovative Legierungsstrategien zu transformieren. Ziel ist es, den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft voranzutreiben, indem jede Phase des Produktions- und Wiederverwendungszyklus entlang der gesamten Wertschöpfungskette untersucht wird.

Aufbau europaweiter Netzwerke und Verbesserung der Reinheit von Recyclingmaterialien

Lösungen für das Recycling hochwertiger Aluminiumlegierungen
LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen GmbH

RecAL entwickelt Lösungen, die es ermöglichen, einen größeren Anteil an recyceltem Material in Legierungen zu integrieren, ohne dabei die Materialeigenschaften zu beeinträchtigen. Das Projekt umfasst zudem die Entwicklung digital gesteuerter Sortierverfahren. Ein weiterer zentraler Bestandteil ist der digitale „RecAL Hub“, der Materialströme aus dem Recycling intelligent mit innovativen Recyclingtechnologien, Abnehmern und Herstellern vernetzt. Diese Plattform gilt als wichtiger Schritt, um lineare Materialflüsse durch ein geschlossenes Kreislaufsystem zu ersetzen.

Über die Materialforschung hinaus konzentriert sich die Initiative auf Sensortechnik, Robotik und digitale Zwillinge, um sicherzustellen, dass Aluminiumströme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg effizient und transparent überwacht und gesteuert werden können. Ziel dieser Technologien ist es, recycelte Materialströme mit deutlich höherer Reinheit zu gewinnen. Durch die Vernetzung von Akteuren in ganz Europa will RecAL den Einsatz von sekundärem Aluminium maßgeblich steigern, Ressourcen schonen und den CO2-Fußabdruck der Industrie nachhaltig verringern.

„Mit RecAL wollen wir zeigen, dass sich Hochtechnologie und Kreislaufwirtschaft nicht ausschließen“, erklärt Gerald Prantl, Projektleiter am LKR. Der Aufbau eines europaweiten Aluminium-Recyclingsystems würde die Grundlage für eine industrielle Zukunft schaffen, die ökologische Nachhaltigkeit mit Wettbewerbsfähigkeit verbindet und zugleich die europäische Resilienz bei der Sicherung dieses wertvollen Rohstoffs stärkt.

Das Projekt RecAL läuft bis 2028. Sein innovativer Ansatz und die zu erwartenden Auswirkungen auf die europäische Industrie haben bereits große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Im Jahr 2025 wurde die Initiative mit dem ÖGUT-Umweltpreis in der Kategorie „Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft durch Forschung & Innovation“ ausgezeichnet.

Angewandte Forschung als Motor für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit

Europas künftige Wettbewerbsfähigkeit wird zunehmend davon abhängen, wie schnell neue Forschungsergebnisse in marktreife Technologien und praktische Anwendungen überführt werden können. Angewandte Forschung an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technologie und industrieller Nutzung ist daher von besonderer Bedeutung. Das AIT Austrian Institute of Technology nimmt in diesem Bereich eine Schlüsselrolle ein, indem es seine Forschungsaktivitäten eng an den Anforderungen der Industrie sowie an aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen ausrichtet.

Die Forschung des AIT liefert konkrete Ergebnisse und entwickelt Lösungen, von denen Unternehmen, die Gesellschaft und letztlich wir alle profitieren.

Über AIT

Das AIT Austrian Institute of Technology ist Österreichs größte Forschungs- und Technologieorganisation. Mehr als 1.600 Mitarbeitende befassen sich dort mit zentralen infrastrukturellen Herausforderungen der Zukunft.

Die Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf zwei eng miteinander verknüpfte Schwerpunkte: „Nachhaltige und resiliente Infrastrukturen“ – mit besonderem Fokus auf die Bereiche Energie, Verkehr und Gesundheit – sowie die „Digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft“.

Das AIT arbeitet eng mit Industriepartnern und Auftraggebern aus dem öffentlichen Sektor zusammen. Forschung und Entwicklung sind wesentliche Innovationstreiber für Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie tragen dazu bei, Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern und zugleich Österreich sowie Europa als wettbewerbsfähige Wirtschaftsstandorte zu stärken.

Entdecken Sie den AIT Impact Report 2026

Der AIT Impact Report 2026 präsentiert rund 30 Beispiele dafür, wie das AIT in Zusammenarbeit mit Partnern aus Industrie, Wissenschaft und öffentlichem Sektor Forschung in praxisorientierte Lösungen überführt.

Die vorgestellten Projekte decken ein breites Themenspektrum ab – von der Digitalisierung industrieller Prozesse über resiliente Infrastrukturen, nachhaltige Energie- und Industriesysteme, Gesundheit, Mobilität und Sicherheit bis hin zur Kreislaufwirtschaft.

Der AIT Impact Report 2026 ist online unter www.ait.ac.at/impact-report abrufbar.